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Montag, 2. Juli 2018

Svenja Polzien fühlt sich mit Bodybuilding so richtig gut

Hört man das Wort Bodybuilding, löst das verschiedene Reaktionen aus. Vom Nase rümpfen über muskelbepackte Männer und verbotene Substanzen bis hin zur Hochachtung über das knochenharte Training ist alles dabei. „Natürlich gibt es auch Vorurteile, aber ich glaube schon, dass ein Umdenken stattgefunden hat und Bodybuilding nun als ein Sport anerkannt ist“, so Svenja Polzien. Die 23-Jährige ist Polizeibeamtin in Lennestadt und entschied sich vor vier Jahren dazu, ihr Leben einmal gehörig auf den Kopf zu stellen.
Die gebürtige Hagenerin, die bis dahin vor allem im Basketball aktiv war, fasste den Entschluss, abzunehmen, um endlich ein Körpergefühl zu erreichen, mit dem sie sich gut fühlte: „Ich habe mich bis dahin eigentlich nie wirklich wohl gefühlt. Rückblickend betrachtet, war das wohl auch der Grund, wieso ich oftmals schlechte Laune hatte.“

Das Essverhalten
Um das zu ändern, folgte neben der Anmeldung im Fitnessstudio auch eine Veränderung des Essverhaltens. Alles mit dem großen Ziel, irgendwann auf der Bühne eines Bodybuilding-Wettkampfs zu stehen. „Bis dahin habe ich einfach immer alles gegessen, worauf ich Lust hatte“, muss die 23-Jährige zugeben. Doch damit war relativ schnell Schluss: „Ich habe begonnen, genaustens zu tracken.“ Tracken (zu deutsch „verfolgen“) bedeutet, dass von jedem Lebensmittel, das zu sich genommen wird, die genaue Kalorienanzahl in das Smartphone eingegeben wird, um über den Tag verteilt den zuvor errechneten Kalorienbedarf nicht zu steigern und so die Diät effektiver zu gestalten.

Dass das auch Einschränkungen mit sich bringt, musste auch die junge Polizistin erfahren: „Ich gehe eigentlich kaum noch essen. Wenn man selbst einkauft und das Essen abwiegen kann, ist das Ganze noch genauer.“ Auch Partys seien für sie kein Thema mehr: „Ich muss zugeben, da habe ich mich wirklich gewandelt. Früher bin ich sehr gerne feiern gegangen und habe auch Alkohol getrunken. Inzwischen kommt das kaum noch vor. Ich stehe am Wochenende lieber früh auf und unternehme etwas, anstatt bis in die Früh zu feiern und zu trinken.“

Doch haben sich durch das neue Verhalten nicht auch Freundschaften entfremdet? „Eigentlich so gut wie gar nicht. Meine Freunde gehen alle super mit meiner neuen Leidenschaft um. Und der Rest ist mir eigentlich auch egal“, gibt sie lachend zu.

Der Tagesablauf
Auch das Freizeitverhalten wurde durch die neue Leidenschaft extrem beeinflusst: „Ich trainiere an sieben Tagen in der Woche, meistens zweimal“, berichtet Polzien, die neben der täglichen Krafteinheit auch großen Wert auf ihre Kondition legt: „Cardio ist für mich sehr wichtig. Meistens gehe ich morgens und abends auf das Laufband. Und am Wochenende in der Natur laufen.“ Denn sie wolle nicht nur sportlich aussehen, sondern auch durch ihre Kondition überzeugen.

Durch das wechselnde Schichtsystem einer Polizeibeamtin hat die 23-Jährige keinen täglichen Rhythmus: „Ich glaube aber, dass gerade diese ständige Abwechslung gut ist.“ Und auch mit dem Verhalten ihrer Kollegen ist sie mehr als glücklich: „Am Anfang hatte ich Angst, dass man mit dem Begriff Bodybuilding direkt in eine Schublade gesteckt wird. Die Vorurteile gab und gibt es ja immer noch, beispielsweise, dass diese Sportler nicht sonderlich viel im Kopf haben.“ Aber inzwischen seien all diese Bedenken weg: „Eigentlich haben alle die Veränderung positiv aufgenommen und sind sehr interessiert. Manche fragen mich sogar nach Tipps beim Training oder der Ernährung.“

Die Veränderungen
Vor allem die körperliche Veränderung sei sehr stark aufgefallen: „Ich habe 16 Kilogramm abgenommen. Da ist es toll zu hören: Wow, du siehst aber fit aus.“ Viel entscheidender für Polzien ist aber die psychische Veränderung: „Ich bin der Überzeugung, dass mich der Sport auch mental sehr gestärkt hat, woraus ich wieder Vorteile für mein restliches, vor allem berufliches Leben ziehen kann.“ Denn eine Erkenntnis habe sie immer wieder gewonnen: „Zuerst gibt der Kopf auf und dann der Körper.“ Doch nicht zu jeder Zeit überwogen die positiven Aspekte, auch dass muss die gebürtige Hagenerin eingestehen: „Es gab schon Phasen, da wusste ich nicht: Halte ich das durch?“. Gerade in der strengen Diätphase seien ihr immer wieder Zweifel gekommen, zumal auch körperliche Probleme auftraten: „Es gab eine Phase, in der ich starke Schlafprobleme hatte.“ Aufhören sei aber keine Option gewesen, zumal ihre Freunde und die Familie sie unterstützt und ermutigt hätten: „Meine Mutter, die zu Beginn sehr skeptisch war, hat sogar zu mir gesagt: Komm mach weiter, du hast es schon so weit geschafft. Die Unterstützung war super und hat mir sehr viel Kraft gegeben“, freut sich die Sportlerin noch immer über den Zuspruch.

Der Wettkampf
Ende des vergangenen Jahres entscheidet sich die Polizeibeamtin dazu, sich den großen Traum von einem Auftritt auf der Bühne zu verwirklichen, sie fasst die NRW-Meisterschaften in der Bikiniklasse ins Auge. Doch alleine ist die harte Vorbereitung nicht lösbar: „Ich habe mich in meiner Heimatstadt in einem Fitnessstudio dem Team Hagen angeschlossen, das mich und 40 weitere Athleten professionell auf den Wettkampf vorbereitet hat“, ist die Blondine dankbar für die Unterstützung, die sie bekommt. Denn nicht nur, dass das bestmögliche Ergebnis aus dem Körper herausgeholt werden muss, zu einem Auftritt kommen noch weitere Herausforderungen: „Man muss genau wissen, wie man posiert, um möglichst gut dazustehen vor der Jury.“

Und auch das Outfit muss stimmen. „Die Schuhe sollten durchsichtig sein. Und der Bikini möglichst feminin und glitzernd“, erklärt Polzien. Die Anschaffungen ließen den Geldbeutel ziemlich klingeln: „Den ersten Bikini habe ich gebraucht von einer Bekannten bekommen, den zweiten dann speziell für mich anfertigen lassen. Beide haben etwa 400 bis 450 Euro gekostet“, geht die 23-Jährige lieber auf Nummer sicher. Gelohnt haben sich die Ausgaben, aber auch die strenge Wettkampfdiät, die die Lennestädterin oftmals an die Grenzen bringen, nach eigenen Angaben schon: „Ich würde es immer wieder machen. “

Bei der NRW-Meisterschaft folgte dann der große Auftritt: „Als ich oben auf der Bühne stand, habe ich es einfach nur genossen“, berichtet sie mit noch immer leuchtenden Augen.

17 Wochen harte Arbeit mit Diäten, reichlich Training, Posing-Stunden und jeder Menge Verzicht für zehn Minuten auf der Bühne. Dennoch lautet das Fazit: „Es hat sich so sehr gelohnt.“

Künftige Ziele
Für eine Platzierung hat es bei der ersten Teilnahme noch nicht gereicht „davon war ich aber auch gar nicht ausgegangen. Ich habe zu dieser Zeit das Beste aus mir herausgeholt, obwohl zwei oder drei Kilo weniger noch besser gewesen wären. Aber ich denke ich kann noch mehr schaffen“, ist Polzien weiterhin optimistisch. Dass dieser Weg der richtige für sie ist, davon ist sie überzeugt: „Ich möchte wieder auf der Bühne stehen. Dieser Sport hat mein ganzes Leben um 180 Grad verändert. Im positiven Sinne.“

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